13 angehende Journalisten aus China an der RUB

13 angehende Journalisten aus China an der RUB

18.05.2015
© RUB, Foto: Nelle
Prof. Hans-Rüdiger Fluck inmitten seiner chinesischen Austauschstudierenden

Seit zehn Jahren kooperiert die Ruhr-Universität mit der Communication University of China (CUC). Zum Jubiläum der Kooperation sind 13 Studierende der CUC in Bochum zu Gast. Bisher haben rund 200 Studierende an dem Austauschprogramm teilgenommen.

2 Semester in Bochum

Prof. Hans-Rüdiger Fluck vom Germanistischen Institut begleitet seit der Anfangszeit den Austausch chinesischer Studierender der Deutschabteilung der CUC mit der RUB. Die jungen Studierenden kommen im dritten Jahr ihres Bachelorstudiums nach Bochum. Die Dauer des Austauschprogramms beträgt ein Jahr. Sie besuchen im ersten Semester einen Sprachkurs in der Abteilung Deutsch als Fremdsprache (DaF) sowie Seminare über Landeskunde und das politische System in Deutschland. Im zweiten Semester folgen Kurse über die deutsche Medienlandschaft, die Prof. Fluck leitet. Ebenso finden Besuche in deutschen Medienhäusern statt: WDR in Köln, Deutsche Welle in Bonn, WAZ in Hagen/Essen. „Ich zwinge den Studierenden nichts auf“, erklärt Prof. Fluck. „Sie lernen, wie das System hier ist und sie wissen, wie es in ihrer Heimat ist. Dann müssen sie selber ihre Schlüsse ziehen.“

Führende Ausbildungsstätte

Die CUC in Beijing hat über 14 Fakultäten mit 38 Instituten, ebenso ein Forschungszentrum für Radio und Fernsehen (National Center for Radio & TV Studies). Der Schwerpunkt in allen Bereichen liegt auf den Medien. Die Universität, die rund 30.000 Studierende zählt, ist direkt dem Bildungsministerium unterstellt. Im Jahr 1954 gegründet, hat sie sich zu einer führenden Ausbildungsstätte für Journalisten, Moderatoren und Techniker entwickelt. Ihre Absolventen arbeiten in annähernd allen staatlichen Medien.
Von der chinesischen Seite wird der Austausch mit der Ruhr-Universität Bochum und anderen europäischen Universitäten gefördert. „Dass sie hier Dinge lernen, die nicht staatskonform sind, nimmt man in Kauf“, weiß Prof. Fluck. „Nur wenn sie hinterher in China arbeiten, müssen sie sich an die Vorschriften halten.“
Das Institut für Medienwissenschaft an der Ruhr-Uni hat bisher wenig Interesse an einem gegenseitigen Austauschprogramm gezeigt, bedauert Prof. Fluck. Die CUC ist offen für Bochumer Studierende und es gibt auch Kurse auf Englisch. „Es wäre für Studierende der Medienwissenschaft sicher eine Chance, etwas anderes kennenzulernen, das im Kontrast zu Deutschland steht. So eine Erfahrung kann wertvoll sein.“

Entwicklungsprozess der Studierenden

Das Leben in Deutschland ist für die chinesischen Studierenden am Anfang schwer: Sie müssen sich eingewöhnen, im Supermarkt einkaufen, sich an der Uni zurechtfinden. Die Sprache ist dabei nur eine von vielen Herausforderungen. „Das deutsche Essen macht den Studenten Probleme. Aber sie arrangieren sich: Sie kaufen oft auch einfach etwas in chinesischen Läden ein und kochen dann selbst“, sagt Prof. Fluck lächelnd.
Mit der Zeit werden die Studierenden selbstständiger, lernen mehr Deutsch und schaffen es, Kontakte zu Deutschen zu knüpfen. Sie nehmen dankbar das Programm vom International Office an und beteiligen sich hier an Exkursionen und verschiedenen Veranstaltungen.
Die Studierenden der CUC liegen Prof. Fluck sehr am Herzen. Er ist schon emeritiert und gibt seine Kurse ehrenamtlich. „Ich finde es gut, den chinesischen Studierenden die Chance zu geben, sich zu entwickeln“, betont er. Diese Chance haben nicht alle, die an der CUC studieren. Denn die Studierenden müssen in Bochum für alle Kosten selber aufkommen: Sie finanzieren ihren Lebensunterhalt, begleichen die Miete für das Studentenwohnheim, bezahlen die Sprachkurse. Das können sich nur privilegierte Studierende leisten.

Vereinzelte Rückkehrer

Einige der früheren Teilnehmer des Austauschprogramms zwischen CUC und Ruhr-Uni bleiben nicht in China, sondern kommen nach ihrem Abschluss nach Deutschland zurück, um hier weiter zu studieren oder zu arbeiten. Eine Absolventin der CUC, Wanyi Tang, ist in Bochum beim Akademischen Förderungswerk (AKAFÖ) beschäftigt. Sie lobt das Austauschprogramm, sagt aber, dass zwei Semester nicht ausreichend sind, um Deutschland richtig kennenzulernen. Prof. Fluck verknüpft mit dem Austauschprogramm einen persönlichen Wunsch für das Land, das er schon seit 35 Jahren regelmäßig bereist: „Ich habe die Hoffnung, dass sich in China auch politisch etwas ändert. Das ist aber nur eine Hoffnung. Und eine sehr vage dazu.“

Redaktion: Martin Lindner