Der Buchmacher

Der Buchmacher

31.03.2015
© RUB, Foto: Volkmann
Beim Anbringen der Folie heißt es für Carsten Hückert, Ruhe zu bewahren.

Carsten Hückert ist der Mann hinter den Kulissen: Er fertigt die 50 Buchskulpturen an, die ab Juni 2015 als „Bochums Bücher“ in der Stadt und auf dem Campus stehen. RUBENS hat ihn in seinem Dortmunder Atelier besucht.

Nashorndoktor

Für viele ist er der „Nashorndoktor“. Wenn ein Flügel oder ein Horn eines „Dortmunder Nashorns“ abbricht, landet es früher oder später bei Carsten Hückert. Das Wappentier des Dortmunder Konzerthauses und der Diplom-Grafikdesigner – es ist eine ganz besondere Beziehung: Seitdem es den Dickhäuter in Dortmund gibt, sitzt auch Hückert im Boot. Seit 2005 gestaltet und fertigt er die Skulpturen an; wenn Schäden ausgebessert werden müssen, ist er sofort zur Stelle. Sein neuestes Projekt kommt aus Bochum: Für die RUB-Aktion „Bochums Bücher“ ist er derjenige, der den Buchskulpturen Gestalt gibt.

Skulptur wiegt 25 Kilo

Bevor Carsten Hückert loslegen kann, startet die Reise allerdings in Polen: Dort werden die Buch-Rohlinge in einem Werk aus glasfaserverstärktem Kunststoff – kurz GFK – hergestellt. „Den Prozess muss man sich wie beim Backen von Muffins vorstellen“, erklärt Hückert. In zwei vorgefertigten Negativformen (Buchrücken und aufgeschlagene Seiten) wird aus GFK-Matten und Silikon die Basisform ausgegossen. Beide Teile werden dann zusammengesetzt und verspachtelt – innen ist die Skulptur hohl. Nichtsdestotrotz bringt sie rund 25 Kilo auf die Waage.

Sechs Stunden trocknen

Weiter geht es nach Dortmund: In der Lagerhalle der Firma Belllucci, die die Rohlinge produzieren lässt, bekommen sie eine Grundierung. GFK im Rohzustand ist bräunlich und scheckig, sieht also nicht besonders schön aus. Ein einheitliches Weiß muss her! Anschließend transportiert Hückert die Skulpturen nach und nach in sein Atelier im Süden Dortmunds, wo er auch wohnt. Hier werden sie lackiert. Die Buchseiten erstrahlen an den Rändern in Gelb, der Buchrücken wird schwarz. Nach jedem Farbauftrag muss die Farbe etwa sechs Stunden trocknen, bevor Hückert den nächsten Arbeitsschritt angehen kann.

Halle wird zur „Bibliothek“

Was jetzt noch fehlt, ist das, was die Skulpturen unterscheidet: das Bild, das sich auf der aufgeschlagenen Doppelseite befindet (siehe Infokasten). Dafür ist ein Ortswechsel nötig. Denn die Zeichnungen, Grafiken und Fotos werden als Folie auf die Skulptur geklebt – und die mag keinen Staub. In Unna hat Hückert deswegen eine zweite Halle angemietet. „Eigentlich schraube ich hier mit zwei Freunden an Motorrädern rum“, erzählt der selbstständige Grafiker. Für einige Wochen wird die Halle nun quasi zur „Bibliothek“.

Spezialfolie

Das Anbringen der Folie ist nicht ohne. „Während das Lackieren eher eine grobe Sache ist, muss man dabei die Ruhe in Person sein“, weiß Hückert. Einmal einen Fehler gemacht, ist die Folie nicht mehr zu gebrauchen und muss erst wieder bei einer speziellen Druckerei in Lippstadt bestellt werden. Beschichtet ist sie mit einem Polyurethanlack, einer Art Schutzlack. Sollten Buchplastiken mit Graffiti besprüht werden, lassen sich diese mit Spiritus herunterwaschen, ohne die Folie zu zerstören.

120 Grad

Die Folie bringt Hückert in zwei Teilen auf: linke und rechte Buchseite. Zunächst haftet sie nur. Mit einem Holzspachtel entfernt er Blasen und Unebenheiten. Wenn der Heißluftföhn ins Spiel kommt, wird es ernst: Bei 120 Grad wird der Kleber aktiviert; nach 36 Stunden hält er bombenfest. Hier endet Hückerts Job. Die Buchskulpturen werden in Knallfolie verpackt und nach Bochum zur RUB transportiert. In der Werkstatt der Fakultät für Psychologie bekommen sie einen Edelstahlsockel verpasst, um überhaupt stehen zu können. Ab dem 1. Juni sind die 50 Exemplare dann für jedermann in Bochum und auf dem RUB-Campus sichtbar.

Keine einfache Logistik

Auch wenn der „Nashorndoktor“ ein Profi auf seinem Gebiet ist, stellt ihn das Projekt „Bochums Bücher“ vor Herausforderungen. Während er die „Dortmunder Nashörner“ seit 2005 nach und nach produziert hat (er kann die genaue Zahl nicht mehr erinnern – vermutlich sind es um die 200), muss er nun 50 Buchplastiken auf einmal anfertigen. Die Logistik ist nicht immer einfach: Die Nashörner entstehen ausschließlich in seinem Atelier mit Airbrush-Technik. Die Bücher durchlaufen hingegen verschiedene Stationen. Es geht von A nach B nach C nach D – und dann zur RUB. Trotz aller Widrigkeiten mag Hückert „Bochums Bücher“: „Ich freue mich, wenn ich mal etwas anderes machen kann als Nashörner“, sagt er. Und wer weiß: Vielleicht wird das Bochumer Buch ja ähnlich beliebt wie der Berliner Bär …

Redaktion: Maren Volkmann

RUBENS 189

Diesen Text finden Sie auch in RUBENS 189, die am 31. März 2015 erschienen ist. Weitere Themen: der Wettbewerb „Wissenschaft im Bild“, unsere Rubrik „Mahlzeit“ und die Ausstellung „Praxiswelten“.

RUBENS-Webseite

RUBENS 189 als PDF


Projekt Bochums Bücher

Das Buch ist zentrales Element des Bochumer Wappens. Was würde passieren, wenn man dieses Buch zum Leben erwecken würde? Was würde im Kapitel „50 Jahre Universitätsstadt“ stehen? Das war die Ausgangsfrage für den Wettbewerb „Bochums Bücher“, den die RUB zu ihrem 50-jährigen Jubiläum ins Leben gerufen hatte. Von Juni bis Dezember 2014 konnten Bochumer Bürger, Studierende und RUB-Mitarbeiter ihre Gestaltungsideen ins Rennen schicken. Die 50 Gewinnerentwürfe stehen ab dem 1. Juni als Buchskulpturen in Bochum und auf dem RUB-Campus.

Mehr zu „Bochums Bücher“