Heute im Blick: Weltherztag

Heute im Blick: Weltherztag

29.09.2014
© RUB, Schirdewahn

Jeder kennt ihn: den Herzschmerz nach einer Trennung oder nach anderen belastenden Erlebnissen. Es fühlt sich an, als sei das Herz gebrochen. Doch kann das physiologisch gesehen sein? Wir fragten nach bei Professor Wolfgang Linke von der Abteilung für Kardiovaskuläre Physiologie.

"Du hast mein Herz gebrochen" – geht das?

Tatsächlich kann es „aufs Herz schlagen“, wenn wir schockierenden Ereignissen wie der Trennung von einem oder dem Tod eines geliebten Menschen ausgesetzt sind. Nachgewiesen ist, dass der hohe emotionale Stress bei solchen Erlebnissen die Konzentration von Stresshormonen im Blut der betroffenen Patienten ansteigen lässt. Diese Hormonsubstanzen, die im Fachbegriff Katecholamine genannt werden (am besten bekannt ist davon sicher das Adrenalin), wirken besonders stark auf unser Herz und lassen es schneller und kräftiger schlagen. Normalerweise ist das eine nützliche Reaktion unseres Körpers, da wir bei beginnendem Stress körperlich und gedanklich schneller einsatzbereit sind. Jedoch kommt es bei einem extrem erhöhten Stresshormonspiegel offenbar zur übermäßigen Aktivierung des Herzmuskels, was sich dann in einer Art Verkrampfung unserer Blutpumpe äußert. Außer dieser Lähmung der Herzaktivität bemerken Betroffene oft ein beklemmendes Gefühl in der Brust und Kurzatmigkeit, da auch die Lungentätigkeit negativ beeinflusst wird.

Alles wird gut

Die im Fachbegriff Stress-Kardiomyopathie genannte Erkrankung heißt zwar salopp „Gebrochenes-Herz-Syndrom“ und ihre Symptome ähneln anfangs durchaus denen eines Herzinfarkts, jedoch ist eine dauerhafte Schädigung des Herzgewebes oder gar ein "Riss" im Herzen nicht nachweisbar. Im Gegenteil, die Patientinnen und Patienten – zumeist sind es tatsächlich eher (ältere) Frauen als Männer – erholen sich normalerweise innerhalb von wenigen Tagen einigermaßen gut und sind in der Regel nach ein paar Wochen wieder voll hergestellt. Warum das Broken-Heart-Syndrom vor allem Frauen im nicht mehr ganz jungen Alter trifft, ist noch nicht eindeutig geklärt, könnte aber damit zusammenhängen, dass Patientinnen nach der Menopause einen relativen Mangel an Östrogenen aufweisen, was die verstärkte Ausschüttung von Katecholaminen fördert. Männer haben jedoch ihr eigenes Kreuz zu tragen: Obwohl sie emotionalen Stress besser wegzustecken scheinen, bekommen sie im Vergleich zu Frauen häufiger einen echten Herzinfarkt. Die dabei entstehenden Schäden sind oft dauerhaft und eine (teilweise) Erholung kann Wochen oder Monate dauern. Obwohl ein „gebrochenes Herz“ demnach für alle, die sich akut in einem solchen Zustand befinden, sehr schmerzlich ist, gibt es zumindest aus medizinischer Sicht Grund zum Optimismus: Die Muskelpumpe, die unser Leben antreibt, erholt sich bald wieder.

Wolfgang Linke

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Serie „Heute im Blick“

Die Serie „Heute im Blick“ nimmt verschiedene Aktionstage zum Anlass, um einer RUB-Wissenschaftlerin oder einem RUB-Wissenschaftler eine alltagsrelevante Frage zu stellen. Sie erscheint etwa zweimal im Monat im RUB-Aktuellportal sowie auf der Facebook-Seite der RUB.

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