Hoher Besuch im Gerichtslabor

Hoher Besuch im Gerichtslabor

© RUB, Foto: Tobias Schündelen
Kim Hwang-Sik im Gerichtslabor der RUB (rechts, links der Übersetzer)

Kim Hwang-Sik war nicht nur der 41. Premierminister der Republik Korea, sondern auch Präsident des Rechnungshofes und Richter am Obersten Gerichtshof in Seoul. Am 23.10. berichtete der Premierminister a.D. in der Reihe „International Forensic Studies and Talks“ im Gerichtslabor der RUB über seine vierzigjährigen Erfahrungen – und wählte als Vortragssprache Deutsch.

Unverhofft Premierminister geworden

In seinem Vortrag ging Kim Hwang-Sik auf seinen Werdegang, seinen Aufenthalt in Deutschland, sein Verständnis von Recht und Gesetz und die gegenwärtige Lage in Korea ein – bescheiden und sympathisch.
„Überrascht“ sei er gewesen, als er für das Amt des Premierministers vorgeschlagen wurde. „Die Gründe sind mir bis heute nicht klar. Ich wollte mein Leben lang Richter bleiben. Ich hatte keinerlei Beziehungen zum Feld der Politik. Ich habe mehrfach beide Ämter - Rechnungshof, Premierminister - zurückgewiesen. Dann hat mich mein persönliches Umfeld ermahnt, es sei meine Pflicht, dem Ruf des Heimatlandes zu folgen.“ Durch die Ernennung habe er gelernt, dass sich im Leben oft „unverhofft neue Gelegenheiten ergeben, an die man selber nie geglaubt hätte“.
Nach Deutschland kam Kim Hwang-Sik zum ersten Mal im Jahre 1978 als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Die Studienzeit in Marburg hat der DAAD-Alumnus gut in Erinnerung: „Für meine weitere Arbeit war der Aufenthalt von großer Bedeutung. Ich konnte viel auf die gewonnenen Erkenntnisse zurückgreifen.“ So habe er unter anderem in Korea zur Verbesserung des Zivilprozessrechts beitragen können.

Viele Gemeinsamkeiten der Rechtssysteme

Im Verlauf ging Kim Hwang-Sik auch auf die vielen Gemeinsamkeiten des deutschen und koreanischen Rechtssystems ein. Der Einfluss des deutschen Rechts auf das Koreanische sei deutlich zu sehen. Auch die Verfassung, die seit 25 Jahren unverändert Bestand habe, sei nach deutschem Vorbild entstanden. „Die Menschen in Korea haben die Demokratie verinnerlicht. Menschlichkeit und Wahrung der Menschenrechte sind uns wichtig. Das Volk verlangt, dass das Rechtsstaatsprinzip gewahrt wird.“ Korea besäße im Gegensatz zu den Nachbarn China und Japan „faktisch“ keine Todesstrafe mehr. Das koreanische Rechtssystem genieße überdies bei ausländischen Firmen großes Vertrauen.
Kim Hwang-Siks eigene Rechtstätigkeit war immer davon geprägt, fair zu sein: „Gerechtigkeit ist das Lebenselixier eines jeden Gerichtsverfahrens“ und sie war das „oberste Ziel während meines Wirkens als Richter“. Im Amte des Premierministers sei er für eine Welt „des Rechts und der Prinzipientreue, der Verständigung und des Kompromisses, des Teilens und der Fürsorge“, eine „Welt, die stark, gesund und von Wärme erfüllt ist“ eingetreten.
Am Ende seines Vortrages wünschte sich der Premierminister a.D., dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Korea gedeihen und wachsen. „Ich bin zuversichtlich, dass der Austausch in Politik, Wirtschaft und Kultur, auf Ebenen der Regierungen, der Unternehmen und Zivilgesellschaft sich weiter intensivieren wird“, so Kim Hwang-Sik. Zu den anwesenden Studierenden gewandt, schloss er mit den Worten: „Das Recht ist unentbehrlich und ein schönes Mittel unserer Gesellschaft.“ Im Anschluss an den Vortrag fand im Gerichtslabor eine rege Diskussion mit dem prominenten Gast statt.

Lisa Bischoff