„Lernen kann man sehen“

„Lernen kann man sehen“

16.05.2013
© Alexander Füten, Arbeitgeberverbände Ruhr-Westfalen

„Was macht Lernen erfolgreich? Vorschläge der Neurowissenschaft für eine Schule der Zukunft“ – zu diesem Thema referierte Prof. Dr. Drs. h.c. Onur Güntürkün am 15. Mai an der Ruhr-Universität vor über 170 Gästen aus dem Schulministerium, der Bezirksregierung, Schulen, Studienseminaren, Verbänden und Unternehmen.

17. Bochumer Dialog zur Lehrerbildung

Beim „17. Bochumer Dialog zur Lehrerbildung“, ausgerichtet von der Professional School of Education, sprach der RUB-Professor für Biopsychologie über die zentralen Grundlagen des Lernens: Wahrnehmung und Gedächtnis. Aufgrund des großen Interesses am „Blick ins Gehirn“ verlegten die Organisatoren den ursprünglich in einem Hörsaal geplanten Vortrag kurzfristig in das RUB-Veranstaltungszentrum.

„Lernen kann man sehen, man muss nur tief herein in das Gehirn“, sagte Onur Güntürkün, der an der RUB die neuronalen Grundlagen des Lernens erforscht. „Die Umsetzung in die Praxis des Schulalltags müssen Sie als Lehrerinnen und Lehrer selbst leisten. Denn Rahmenbedingungen des Lernens, wie zum Beispiel die Heterogenität einer Schulklasse oder die individuelle Motivation von Schülerinnen und Schülern, sind vor Ort mitentscheidend.“

Die anwesenden Gäste interessierten sich insbesondere für wissenschaftliche Befunde, die beste-henden Auffassungen von Lernprozessen widersprechen: dass „Vergessen“ der Normalzustand unseres Gehirns ist, dass erst zeitnahe Rückmeldungen zu unseren Wahrnehmungen Lernen ermöglichen und dass sich Erinnerungen des Individuums im Zeitverlauf kontinuierlich verändern.

Prof. Dr. Gabriele Bellenberg, Leitungsmitglied der Professional School of Education, stellte Onur Güntürkün – Träger des Leibniz-Preises 2013 – als einen der Wegbereiter und wichtigsten Vertreter einer biologisch fundierten Psychologie vor. „Der Erfolg der Veranstaltung spiegelt aber auch das große öffentliche Interesse an Schulischem Lernen wider. Die Hirnforschung zeigt uns zum Beispiel, dass Schulisches Lernen nicht bei null anfängt, sondern die Schüler bei der Weiterentwicklung und Umstrukturierung bereits vorhandener Wissensfelder unterstützt“, so die Bochumer Schulfor-scherin.

Seit Februar 2004 unterstützen die Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen die Veranstaltungsreihe „Bochumer Dialog“. Ziel ist, gemeinsam mit der Professional School of Education die Wissenschafts-orientierung und Fachdiskussion innerhalb der Bochumer Lehrerausbildung und der interessierten Fachöffentlichkeit zu unterstützen. Mit über 170 Gästen erreichten die Organisatoren beim 17. Dialog eine Rekordmarke: So viele Gäste gab es zuvor noch nie.

Weitere Informationen
Dr. Christiane Mattiesson, Professional School of Education / Geschäftsstelle, Studierendenhaus SH 174, Ruhr-Universität Bochum christiane.mattiesson@rub.de