„Wir brauchen Mediziner“

„Wir brauchen Mediziner“

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Ministerin Schulze verfolgt die studentische Ultraschalluntersuchung am Bildschirm. Links neben ihr: Dekan Prof. Dr. Klaus Überla

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze besuchte am 10. August die Medizinische Fakultät der RUB, um insbesondere den Bochumer Modellstudiengang und die noch junge Abteilung für Allgemeinmedizin kennen zu lernen. "Ich werde sicherlich verfolgen, wie es mit dem Modellstudiengang weitergeht", zeigte sie sich beeindruckt vom didaktischen Konzept der Medizinerausbildung.

Es ist eine Szene fast wie aus einem klassischen Krimi beim Verhör oder der Gegenüberstellung: Die Wissenschaftsministerin aus Düsseldorf und in ihrer Begleitung mehrere Professoren und Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät stehen hinter einer Glasscheibe und beobachten im Nebenraum eine studentische Arbeitsgruppe. Student Martin stellt seinen Kommilitonen – nur sechs an der Zahl – und dem Seminarleiter die „Herz-Uhr“ vor – eine anhand der Uhr vorgenommene Aufteilung der zwölf wichtigsten Bestandteile des Herzens. „So kann man sich besser merken, wo was ist“, erläutert Martin. Svenja Schulze (SPD), seit 2010 Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, geht anschließend in den Raum und fragt den Studierenden Löcher in den Bauch: Wie ist das Arbeiten in solch kleinen Gruppen? Was ist das Besondere am Bochumer Modellstudiengang Medizin – und was ist der Unterschied zum „normalen“ Studium der Kommilitonen im Regelstudiengang? „Wir sind mit mehr Spaß bei der Sache und lernen nicht nur für Prüfungen“, fasst es einer der Studenten zusammen.

Zehn Jahre Modell

Nichts Ungewöhnliches an der RUB, denn seit nunmehr zehn Jahren gibt es den erfolgreichen Modellstudiengang Medizin, der die klassische Medizinerausbildung ergänzt und erweitert. Ungewöhnlich sind weder die kleinen Arbeitsgruppen – die sind vielmehr Programm – noch die Übungs- und Demonstrationsräume mit Glasscheiben, Gegensprechanlage, Patientenliegen, Untersuchungsgeräten und vielem mehr. Die gehören zum POL – dem Problemorientierten Lernen – gleich ab dem ersten Semester. Ungewöhnlich ist allenfalls, dass sich Mitte August in der vorlesungsfreien Zeit zahlreiche Studenten einfinden, um der Ministerin die Arbeitsweise in ihrem Modellstudiengang zu zeigen. Und so war die Ministerin dann „live“ dabei, wie sich Studierende gegenseitig mit Ultraschall untersuchen, den Bauchraum abtasten, das Herz abhören.

Ein völlig neues didaktisches Konzept

Svenja Schulze lernte bei ihrem Besuch an der RUB am 10. August nicht nur den Modellstudiengang Medizin kennen, sondern auch die noch junge Abteilung für Allgemeinmedizin, die inzwischen vieles vom Modellstudiengang übernommen hat. In den Gesprächen und Präsentationen war der Ärztemangel in Deutschland allgegenwärtig – gerade bei Allgemeinmedizinern und gerade auf dem Land. „Wir brauchen Medizinerinnen und Mediziner“, sagte die Ministerin. Und weiter: „Ich finde es sehr interessant, wie der Modell- auch den Regelstudiengang beeinflusst hat. Ich werde sicherlich verfolgen, wie es mit dem Modellstudiengang weitergeht. Das, was hier entwickelt wurde, scheint wirklich spannend zu sein: Das ist ein völlig neues didaktisches Konzept“, so Schulze.

Modell- und Regelstudiengang zusammenlegen

Der Hintergrund ihres Besuchs indes ist: Wegen der hohen personellen und finanziellen Belastung kann die Medizinische Fakultät auf Dauer nicht zwei Studiengänge anbieten. Die Planungen, wie Modell- und Regelstudiengang zu einem neuen Medizinstudium an der RUB zusammengelegt werden können, laufen auf Hochtouren. "Frühestens 2012/13 oder 2013/14 soll es einen Studiengang an der RUB geben, der die Vorteile der beiden jetzigen Ausbildungen vereint", so Dekan Prof. Klaus Überla, "die systematische Lehre aus dem Regelstudiengang und das POL aus dem Modellstudiengang." Dekan Überla, Studiendekan Prof. Thorsten Schäfer (Modellstudiengang), Prof. Herbert Rusche (Allgemeinmedizin) und Prof. Ulf Eysel (Prorektor für Forschung der RUB) zogen daher nicht nur eine Bilanz nach zehn Jahren Modellstudiengang, sondern erläuterten der Ministerin im Gespräch auch die künftigen Herausforderungen der Bochumer Medizin.

Jens Wylkop

Fotos: Babette Sponheuer

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Vorführung hinter Glas



Im Gespräch mit Studierenden



 

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