„Das kann nicht jeder“

„Das kann nicht jeder“

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Elektroenzephalographie (EEG) in der Psychologie: Ein Workshop für die Jungs

Girls' und Boys' Day an der RUB: 700 Schülerinnen und Schüler kamen am 14. April auf den Campus, informierten sich über Studienangebote, Zukunftsperspektiven und nahmen an Workshops teil. Manche waren erst zurückhaltend, dann eifrig bei der Sache, manch einer erlebte dabei auch eine Überraschung ...

Ein kleines Jubiläum feierte die Ruhr-Universität am diesjährigen Girls‘ Day für Mädchen der Klassen 8 bis 10: Zum zehnten Mal hatten Schülerinnen die Gelegenheit, sich über Studiengänge, Ausbildungsberufe und Karrieren in den Bereichen zu erkundigen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind – Natur- und Ingenieurwissenschaften, Technik. Die Nachfrage nach dem Angebot an der RUB ist konstant hoch, wie schon im vergangenen Jahr nahmen etwa 400 Schülerinnen an den Infoveranstaltungen und Workshops teil. Zwei von ihnen: Linet und Michelle, beide 14 und aus Herne, schnuppern zusammen mit einigen anderen Mädchen im neuen Gebäude der Elektrotechnik in den Bereich Medizintechnik. Mit dem mobilen 3D-Ultraschallgerät experimentieren sie, dabei erfahren sie vor allem, welche Technik hinter dem steckt, was man als Arzt auf dem Bildschirm sieht. Michelle benutzt den Schallkopf mit dem wasserhaltigen Gel, das den Schall leitet, sucht Linets Halsschlagader und tappt zunächst eher im Dunkeln. Anders Markus Hesse, E-Technik-Dozent und von Haus aus Mathematiker: Er findet die Schlagader von Benita (15, aus Essen) auf Anhieb. Im Querschnitt erkennt man deutlich, wie das Gefäß pulsiert.

Einmal Arzt sein - gar nicht so leicht

Von der Technik, mit der die Mädchen sich beschäftigen, zur Kommunikation – ein Fall für Jungs. Der 15-jährige Nils aus Bochum nimmt am Kurs „Einmal Arzt sein“ teil und erlebt eine Überraschung. „Das kann nicht jeder“, sagt er im Anschluss, nachdem die Schüler selbst erlebt haben, wie schwierig es ist, schlechte Nachrichten zu überbringen. Mit Laienschauspielerinnen, die verschiedene Patientinnen spielen, schlüpfen die Jungs in die Rolle des Arztes. Eine Berufstänzerin, die nie wieder tanzen darf, eine Frau, deren Freund einen Motorradunfall nicht überlebt hat, und beiden muss man die Hiobsbotschaft jeweils „schonend“ beibringen. „Das war neu für mich“, so Nils, „und ich hatte das auch nicht mit einbezogen in den Begriff Arzt sein.“ Tim Peters, Medizin-Dozent, der den Kurs normalerweise für Studierende als Wahlfach anbietet, ergänzt: „Das war sehr anschaulich, teilweise hart - aber die Schüler haben dabei etwas gelernt.“ Zum zweiten Mal nach 2010 beteiligte sich die RUB auch am bundesweiten Boys‘ Day, der parallel zum Mädchen-Zukunftstag stattfindet. Auch hier gilt: schnuppern in Bereichen, in denen weniger Männer studieren und arbeiten als Frauen. Die Medizin gehört dazu, die Psychologie ebenso, vor allem aber die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Die RUB hat ihr Angebot für die Jungs deutlich ausgebaut und begrüßt in diesem Jahr mit rund 300 Schülern mehr als doppelt so viele Teilnehmer wie 2010 (ca. 120). Auf dem vielfältigen Programm stehen unter anderem Angebote dem Bereich Geisteswissenschaften des Schülerlabors, aus Erziehungswissenschaft, Geschichte, Philologie und aus der Universitätsbibliothek.

"Komm, ich zeig dir das!"

Ob Jungs oder Mädels, das Motto des Tages, schon bei der Begrüßung im gut gefüllten Audimax einer und einem jeden ans Herz gelegt, bringt später im Biologie-Workshop zur Mikroskopie die Wissenschaftlerin Ursula Theocharidis auf den Punkt: „Traut euch ruhig!“ Die Mädchen in ihrem Kurs beschäftigen sich mit der „Zelle – Leben auf kleinstem Raum“ und sind – noch – etwas zaghaft im Umgang mit Amöben im Schälchen, Pipette, Objektträger und Mikroskop. Doch das ändert sich. Laura, 14, aus Gladbeck ist mit ihrer gesamten 8. Klassenstufe an der RUB, insgesamt 70 Schülerinnen und Schüler des Ratsgymnasiums. Zusammen mit Mitschülerin Paulina (14) nimmt sie an diesem Workshop teil – und kaum, dass sie selbst mit dem Mikroskop umzugehen weiß, hilft sie ihrer Freundin bei der Feinjustierung des Geräts: „Komm, ich zeig dir das!“

Text: Jens Wylkop
Fotos: Marion Nelle


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