Lateinisches Koranfragment entdeckt
Meldung vom 18.03.2010

Lateinisches Koranfragment entdeckt

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Es ist für die Fachwelt eine Sensation: In einer mittelalterlichen Handschrift wurde kürzlich ein Fragment der verschollenen Koranübersetzung des Johannes von Segovia (ca. 1393-1458) entdeckt. Dessen dreisprachiger Koran (Arabisch-Spanisch-Lateinisch) sollte dem besseren Verständnis des Islams im Abendland dienen, verschwand aber nach dem Tod des Übersetzers spurlos. Der Bochumer Altsprachler und Religionsforscher im Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der RUB (CERES) Prof. Dr. Reinhold Glei hat das Fragment zusammen mit dem Freiburger Theologen Dr. Ulli Roth herausgegeben und ausführlich kommentiert.

Vom Arabischen ins Spanische, vom Spanischen ins Lateinische

Johannes von Segovia, Professor an der Universität von Salamanca und streitbarer Konzilstheologe, zog sich nach dem Scheitern seiner Karriere in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen um die Macht des Papsttums in die Einsamkeit des Benediktinerklosters Ayton in Savoyen zurück und widmete sich fortan dem Studium des Islams, den er in Spanien kennengelernt hatte. Bei der Abfassung seines großen Werkes „Über den geistigen Kreuzzug gegen den Islam“ erkannte er, dass die erste, inzwischen über 300 Jahre alte lateinische Koranübersetzung sprachlich sehr unzuverlässig und ungenau war, und beschloss, zusammen mit einem muslimischen Rechts- und Korangelehrten, Isa Gidelli aus seiner Heimatstadt Segovia, eine neue, möglichst wörtliche Koranübersetzung anzufertigen. So kam das wohl spektakulärste christlich-muslimische Gemeinschaftsunternehmen des Mittelalters zustande: Isa übersetzte aus dem Arabischen ins Spanische, Johannes dann aus dem Spanischen ins Lateinische, wobei auch er nach und nach Arabisch lernte und manches Eigene zur Übersetzung beisteuerte.